l0ve-life fragt nach // Jeanne Winter

Heute möchte ich euch Jeanne Winter vorstellen. Sie hat mir vor kurzem ihr Buch "Die Götterjäger: Aus dem Exil" zukommen lassen und ich war begeistert! Wieso, könnt ihr hier in meiner Rezension nachlesen! Ich hoffe, dass euch ein langes Interview nicht abschreckt, aber ich hatte viele Fragen und Jeanne hat ausführlich geantwortet :)






Jeanne Winter (auch J. Winter) wurde 1989 in Herne geboren und ist examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Heute lebt und studiert sie in Münster. Das Schreiben fasziniert sie bereits seit der Grundschulzeit.
Auf Kindergeschichten, die aus zehn Sätzen bestanden, folgten Fan Fictions und wenig später auch die ersten Kurzgeschichten. Inspiriert von Mythologien und dem Fantasygenre schrieb sie ihren Debütroman »Die Götterjäger - Aus dem Exil«.  
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Wann kam dir die Idee zu deinem Debut “Götterjäger: Aus dem Exil” und wie lange hat es gedauert, bis du angefangen hast zu schreiben?
 Die Idee zum Roman entstand aus einer Kurzgeschichte, die ich mir mit zwei sehr lieben Freunden ungefähr 2006 ausgedacht hatte. Inhaltlich handelte sie nur über die Anfangsszene mit Amy und Nathan im Bus.
Damals war die Idee noch komplett vom Götterjäger-Background losgelöst. Erst wesentlich später erkannte ich, dass dort sehr viel mehr Potential drinsteckt und ich machte mich an die Arbeit, nachdem mich meine Freunde sehr motiviert und angefeuert hatten. – Dieser Dank gebührt euch! – Ich mag Mythologien jeder Art und so hat sich auch Stück für Stück das Universum der Götterjäger um diese Kurzgeschichte entwickelt.
Bis 2014 ist das natürlich ein verdammt langer Zeitraum, aber wie gesagt, zunächst war es nur eine Kurzgeschichte, die einige Jahre unbeachtet auf meinem PC rumflog. Und an das Buch bin ich auch recht locker ran gegangen, zumal ich nebenher Abi und danach eine Ausbildung absolviert habe. Daraus resultierten monatelange Schreibpausen, bis ich mich Ende 2013 richtig hingesetzt und mir gesagt habe: Du machst das jetzt gefälligst fertig!

Wie lange hat es gedauert, bis du "Götterjäger: Aus dem Exil" nach deinen Vorstellungen beendet hast?
 Insgesamt hatte „Aus dem Exil“ einen Entstehungszeitraum von 2009-2014. Ziehe ich aber die ganze „arbeitsfreie“ Zeit ab, habe ich tatsächlich nur ca. 9 Monate gebraucht. In diesem dreiviertel Jahr habe ich erst einmal das Grundkonstrukt der Geschichte heruntergeschrieben. Als das stand bin ich es ein- bis zweimal grob durchgegangen, dann durfte sich mein Freund jeden Abend ein Kapitel anhören und wir haben es gemeinsam durch korrigiert. Als nächstes haben es mehrere Betaleser bekommen, die mir dann nochmal einige Tipps und Ratschläge gegeben haben. Heißt konkret: Buch noch einmal durchgehen und bearbeiten. Zu guter Letzt kam die Rechtschreibkorrektur.
Ende 2013 hatte ich es also richtig „fertig“. Lese ich es mir allerdings heute noch einmal durch, will ich es am liebsten nochmal korrigieren.

Wie entstanden und entwickelten sich die Protagonisten?
 Die Amy, die es damals in der Kurzgeschichte gab, kann man nicht mehr mit der jetzigen Amy vergleichen. Ich wollte eine weibliche Heldin, die was aus dem Kasten hatte. Herausgekommen ist dabei eine U.S. Airforce Soldatin. Bei der Namenswahl habe ich mir ehrlich gesagt einfach die Top 10 Babynames aus den Vereinigten Staaten zu Rate gezogen. Und ich habe so lange Namen kombiniert, bis ich gesagt habe: Das ist es.
Amy hatte in der Kurzgeschichte nicht sonderlich viel Hintergrund. Als ich also beschloss einen Roman daraus zu machen, musste ich diese inhaltslose Hülle mit mehr Leben füllen. Ich wollte, dass Amy bereits viel in ihrem Leben mitgemacht hat, dementsprechend wurde sie älter. Als ältere Soldatin war es auch unabdingbar, dass sie Kriegseinsätze gehabt hat. Ich setzte mich damit auseinander, was ihr dort passieren könnte. Traumatische Erlebnisse. Was ist mit ihrer Familie in dieser Zeit gewesen? Damit wurden Lloyd und Jack als Charaktere greifbarer und das Konstrukt verdichtete sich. Ich wollte, dass sie bereits aktiv im Jagdbusiness war, damit meine Geschichte nicht so wie andere ist, wo die Protagonisten erst immer in die „neue Welt“ eingeweiht werden müssen. Mit dem Hintergedanken entwickelte ich ihre Abneigung gegenüber ihrem früheren Leben und ein dramatisches Ereignis, weshalb sie sich zurückzog. Zu guter Letzt habe ich mich gefragt: Wenn ich dieser Frau nun gegenüber stehe, wie wirkt sie auf mich? Für mich war die Antwort glasklar: Sie muss tough sein, wissen was sie will, aber auch gleichzeitig nicht zu cool oder unmenschlich wirken.
Mit diesem „Grundsatz“ habe ich den Roman begonnen. Amy entwickelte sich in der Geschichte vollkommen alleine, entfaltete weitere Stärken oder auch Schwächen, die sich aus der Situation ergaben. Auch wenn es sich für manchen komisch anhört, aber setzt man einen Charakter in Szene macht er manchmal das, was man gar nicht als Autor geplant hat.

Die Grundidee für Nathan war dagegen aus der Zusammenarbeit mit meinen Freunden geboren. Es war mir eine Freude dem Konstrukt eines 40-jährigen Charakters, der viel Mist in seinem Leben durchmachen musste, die Möglichkeit zu geben sich innerhalb des Romans völlig frei zu entwickeln.

Wie aufgeregt warst du vor dem Erscheinungstermin?
 Ziemlich! Im ersten Moment dachte ich: Oh Gott, jetzt kann die ganze Welt dein Buch lesen. Es war echt ein komisches Gefühl, dass das, woran man jahrelang gesessen hatte, nun wirklich beendet war. Als ich das dann aber erst einmal richtig realisiert habe, war ich wirklich stolz auf mich.


Hast du einen bestimmten Ort, an dem du schreibst?
 Meistens Zuhause, ich gehe aber auch sehr gerne nach Starbucks, weil ich die Atmosphäre dort sehr toll finde. Ansonsten habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, die Orte, an denen ich schreibe zu fotografieren.

Hast du feste "Schreibzeiten"?
 Jein. Früher habe ich immer geschrieben, wann ich Lust hatte. Oder mich die Muse küsste. Auf Dauer funktioniert das aber nicht gut. Für den 2. Band musste ich das daher ändern und auch noch irgendwie mit meinem Studium vereinbaren. Daher habe ich die eiserne Regel, dass ich bis zum Abend etwas für die Uni tue und mich dann erst an mein Buch setze.

Hattest du zuerst die Idee für den Titel oder für die Geschichte?
 Seitdem feststand, dass die Kurzgeschichte „Der Reisebus“ ein Buch wird gab es einen… ich nenne es mal Projektnamen. Ursprünglich sollte es Aussteigerjob Dämonenjäger heißen. Für Band 2 wollte ich passenderweise Einsteigerjob Dämonenjäger. Diese Titel haben mir irgendwann nicht mehr zugesagt. Ich wollte, dass er ernster und „epischer“ klingt. Und dann ist mir aus heiterem Himmel der jetzige Titel eingefallen, ohne, dass ich wirklich suchen bzw. nachdenken musste.

Ist es dir schwer gefallen, Charaktere sterben zu lassen?
 Oh ja. Man arbeitet sehr, sehr lange mit den Charakteren und hat sie in dieser Zeit sehr lieb gewonnen. Immerhin hat man mit ihnen zusammen gelacht und auch geweint. Oder mit ihnen Lügen erzählt.
Der erste Gedanke, dass ein Charakter aus plotrelevanten Gründen sterben muss ist daher nicht gerade einfach zu ertragen. Überhaupt zu diesem Gedanken zu kommen ist ein einziges hin und her. Man fragt sich immer ob das sein muss, ob es keine andere Möglichkeit gibt und so weiter. Irgendwann hat man die endgültige Antwort gefunden.

Wird die Szene später dann geschrieben, ist es teilweise echt unerträglich. Ich versuche mich dabei immer in die Situation hinein zu versetzen, weil ich die durchlebten Emotionen so echt wie nur irgend möglich transportieren und greifbar machen will. Da bin ich manchmal echt extrem und es ist auch schon vorgekommen, dass ich den Rest des Tages deswegen todtraurig war.

Das Buch spielt in Amerika. Warst du schon mal dort?
 Ja, war ich im letzten Jahr (2013). Das war der tollste Urlaub meines Lebens! Mein Freund und ich haben uns dort einen Camper gemietet und sind die Westcoast – California Tour gefahren. Das schöne war, dass ich hier so richtig Freizeit und Leidenschaft vereinen konnte. Der Urlaub war unglaublich inspirierend für mich, hat mir aber auch gezeigt, dass ich am Buch noch was verändern musste. Zum Beispiel gibt es dort keine Zigarettenautomaten. Und ursprünglich wurde im Roman tatsächlicher einer erwähnt! Medikamente kann man da auch einfach im Supermarkt kaufen. Es ist doch schon alles ein wenig anders. Die ganzen Eindrücke habe ich für mein Buch genutzt, z.B. wie es in einem Camper ist,  das Treiben auf einem Campground oder eine Übernachtung in einem Motel. Oder wie es ist für eine ziemlich lange Zeit durch die Wüste zu fahren. Auf mein Drängen sind wir sogar zu einigen Airforce-Bases gefahren, damit ich davon mal einen Eindruck gewinnen konnte. Es war echt cool. Ich hab mich wie Amy gefühlt.

Macht es dir Spaß deine Charaktere zu quälen?
 Ja und Nein. Grundsätzlich ist es so: Würde ich die Charaktere nicht quälen, hätten sie keine Probleme. Und ohne Probleme würde es keinen Plot geben. Niemand möchte eine Geschichte lesen, in der das Leben ein Ponyhof ist. Stellen wir uns doch mal die Serie The Walking Dead ohne Komplikationen vor. Rick schafft es in der 3./4. Staffel seiner Mannschaft ein „wunderschönes“ Leben im Gefängnis zu bieten, während draußen die Untoten vergebens am Zaun kratzen, weil sie gegen die frisch installierten Betonwände nicht ankommen würde. Da wären die Einschaltquoten mächtig in den Keller gegangen.
Ich denke, dass gerade das Bewältigen von Problemen einen Charakter, oder gehen wir mal viel weiter, auch einen Menschen ausmachen. Mir macht es Spaß zu sehen, wie Amy und Nathan ihr Leben bewältigen und anhand ihrer Probleme wachsen und eine Persönlichkeit entwickeln. Auch wenn ich für diese Schwierigkeiten ursächlich bin.

Hast du schon Ideen für weitere Bücher?
 Definitiv! Viel zu viele um genau zu sein. Aktuell sind 5 weitere Bänder zu den Götterjägern geplant. Am zweiten Band sitze ich bereits dran. Ab dem 3. Band werden allerdings andere Charaktere die Hauptrollen einnehmen, wie z.B. Cole, Nathans durchgeknallter Bruder und dessen Freundin Amber.

Wenn du dir einen Protagonisten aus all deinen gelesenen Büchern aussuchen könntest, welcher wäre dein Favorit?
 Ufff, das ist eine gute Frage! Ich finde viele Protagonisten cool. Wen ich mit weg besonders mag ist Sinthoras aus der Albae-Reihe von Markus Heitz. Er ist eine Art Dunkelelf und nicht das, was man gerade als Sonnenschein bezeichnet. Albae sind durch und durch bösartig, was ich umso interessanter finde, da sich fast alle Geschichten immer um die Guten drehen. Sinthoras ist insoweit besonders, als das er eine krasse Wesensveränderung während seiner Heldenreise mitmacht. Ich liebe Charaktere, die sich weiterentwickeln! Er wird keinesfalls zu einer geläuterten Person, dafür aber vom brutalen Strategen, dem kein Mittel zu fies und kein Weg zu uneben ist, zu einem besonnenen Alb, der sich für... gänzliche andere Dinge interessiert. Ich will ja nicht spoilern *grins*.

Wo liest du selber am liebsten?
 Auf meiner Couch! Okay, mein Freund wird sauer, wenn er das liest, deswegen muss ich „unsere“ Couch sagen ;). Am liebsten mit einem warmen Kakao in greifbarer Nähe und einer ordentlichen Portion Schlagsahne drauf!

Welches ist dein Lieblingsgenre?
 Definitiv Fantasy, die eher etwas für Erwachsene ist. Ich bin z.B. großer Fan der Elfen-Reihe von Bernhard Hennen oder der Albae-Reihe von Markus Heitz.


Wie bist du zum Schreiben gekommen?
 Das ist wahrscheinlich eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Ich bin zu Grundschulzeiten oft bei meiner Tante und meinem Onkel gewesen. Die beiden hatten einen PC mit Windows 95 (den werde ich nie vergessen). Das war damals der totale Hit für mich, weil wir keinen Eigenen hatten. Irgendwann wurden mir diese Kartenspiele und Paint aber zu langweilig, also habe ich angefangen in Microsoft Excel (!) vor lauter Langeweile Geschichten zu schreiben, die aus wenigen Sätzen bestanden. Die waren dann sinngemäß so: Die Kinder der Klasse 3a haben eine Mathe-Klassenarbeit geschrieben. Alle hatten große Angst. Aber am nächsten Tag hat die Klassenlehrerin die Klassenarbeit wieder ausgeteilt. Und alle hatten eine 1.
Und seitdem schreibe ich.

Glaubst du an übernatürliche Wesen, wie sie in deinem Buch vorkommen?
 *lach* Nein, tue ich nicht. Sonst würde ich mich nachts nicht mehr auf die Straße trauen. Ich überlass das Was-wäre-wenn-Spiel lieber meiner Fantasie und Kreativität. Aber ich glaube daran, dass jedes übernatürliche Wesen, also quasi jede Mythologie aus der es entspringt irgendwo einen wahren Funken hat. Und das finde ich unglaublich spannend.


Vorausgesetzt du hättest das Buch gar nicht geschrieben: Würdest du dein Buch in die Hand nehmen, wenn du es in der Buchhandlung sehen würdest?
 Ja, würde ich, weil das Buch genau die Art von Geschichte ist, die ich gerne lesen würde.
Irgendein ein schlauer Autor hat mal gesagt: Wenn es die Art von Geschichte, die du lesen willst, nicht gibt, dann musst du sie schreiben. Und das habe ich getan.

Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank auch für das tolle Buch, ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band!

Ich habe für das Interview zu danken :) ! Es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht.
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Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel Input für euch und ihr hattet Spaß beim Lesen! Hier gibts jetzt noch mal alle Links, die ihr vielleicht braucht :) Gebt Jeanne gerne ein Like bei Facebook, ich bin sicher, sie würde sich freuen! Dort findet ihr auch viele andere Bilder, die ich jetzt nicht im Post verwenden konnte.

Kommentare:

  1. Ich finde das Interview wirklich sehr gelungen und auch die Autorin ist wirklich sehr sympathisch.... Aber man, wie jung die heute alle sind... Da kann ich nur meinen Hut ziehen und sagen: Respekt!!

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    1. Freut mich sehr, dass dir das Interview gefallen hat! Mir gehts genau so wie dir, ich versteh nicht wie man so jung sein kann UND ein gutes Buch schreiben kann :P

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  2. Das Interview ist wirklich toll geworden liebe Vivi ♥ Gute Fragen & tolle Antworten. Schön dass es noch Bilder dazu gibt. Das Lesen hat mir wirklich Spaß gemacht und vielleicht kommt ja bald wieder ein interessantes Interview (: Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Ich danke dir Jasi :)
      Das nächste Interview ist schon fertig, ich möchte es nur nicht so zeitnah posten und erst mal ein paar Rezensionen etc veröffentlichen!

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